Corona-Info Karte Gemeinde Simmerath Datenschutz-Angaben Impressum-Angaben Kontakt Formular Sitzungen Gemeinde Simmerath Zum Seitenende Schrift groesser/kleiner Facebook CDU-Simmerath Twitter CDU-Simmerath Im Archiv suchen Menue aktivieren
 








Bauen in Simmerath und Steckenborn



Die alte Gaststätte Wilden (links) mit dem Saal nebenan ist bald Geschichte, Geräusche, die man von außen vernimmt, lassen vermuten, dass hier bereits der Abbruch vorbereitet wird. Neu entstehen wird hier ein Wohnkomplex im Stile des Gebäudes an der Bickerather Straße (oben rechts zu sehen). Foto: Heiner Schepp

„Über Geschmack kann man streiten, aber das ist hier nicht unsere Aufgabe.“ So oder sinngemäß begannen mehrere Wortmeldungen, als es jetzt im Simmerather Planungsausschuss erneut um ein Bauvorhaben an der Bruchstraße im Zentralort ging.

Von Heiner Schepp

Redakteur

Das Besondere daran: Das massige Gebäude soll Platz für 30 Wohnungen bieten und kommt genau dort zu stehen, wo demnächst der alt-ehrwürdige Saal Wilden abgerissen wird.

Bereits im März vergangenen Jahres hatte der Planungsausschuss der Gemeine dem Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplans für den rund 3000 Quadratmeter großen Bereich in zentraler Lage und genau gegenüber der Pfarrkirche zugestimmt. Allerdings empfahl der Ausschuss damals, bei der Planung der barrierefreien Wohnanlage mit 30 Einheiten „die Größe des Baukörpers und die verkehrliche Situation in der Bruchstraße zu überdenken“. Diese Aufgabe wurde schließlich dem Planungsbüro Becker aus Kall übertragen, dessen Stadtplanerin Jennifer Conzen dem Planungsausschuss die veränderte Planung vorstellte.

Entgegen kam den Planern, dass die benachbarte Parzelle Bruchstraße 6 mit in den Planbereich aufgenommen werden kann. „Dadurch relativiert sich die Größe des Bauvorhabens“, urteilte die Verwaltung, und Bauamtsleiter Jürgen Förster stellte fest: „Wir haben jetzt mit zwei Baukörpern eine ganz andere Anordnung und Wirkung.“ Auch die Planerin stellte fest, „dass das Bauvorhaben optisch zu vergleichbaren Planungen und Objekten im Ort passt.“

Da bei 30 Wohneinheiten reger Zu- und Abfahrtsverkehr herrschen wird, muss die Fahrbahnverengung an dieser Stelle der Bruchstraße verschwinden. Fußgänger, besonders Schulkinder, die die Kirchentreppe herunterkommen, könnten durch ein versetztes Gitter geschützt werden, wie Ortsvorsteher Stefan Haas anregte.

Ein Verkehrsproblem wurde ursprünglich darin gesehen, dass genau gegenüber der Zufahrt Bruchstraße 4 eine Fahrbahnverengung zur Tempodrosselung im unmittelbaren Einzugsbereich der Schule liegt. „Die Einbuchtung im Bereich des Treppenaufgangs zur Kirche kann entfernt werden, so dass der fließende Verkehr keine Beeinträchtigung erfährt“, schlug die Verwaltung dazu als Lösung vor, und der Ausschuss stimmte weitgehend zu. Eine von Klaus Stockschlaeder (Grüne) ins Spiel gebrachte Einbahnregelung stieß im Ausschuss nicht auf Zustimmung: „Die verbleibenden Fahrbahnverengungen und der Gegenverkehr sorgen automatisch dafür, dass hier nicht so schnell gefahren wird“, meinte Reinhold Köller.

Der UWG-Vertreter bekannte, dass das, was dort mitten in Simmerath entstehe, „optisch nicht das ist, was ich mir hier wünschen würde“. Es sei aber letztlich ein Kompromiss und eine gute Lösung an dieser Stelle. „Außerdem können wir nicht den Investor, der hier statt alter Bausubstanz ein derartiges Projekt realisiert, dafür bestrafen, dass er der Letzte einer langen Reihe ist.“

„Simmerath will städtisch werden“

Auch Stefan Haas, Ortsvorsteher von Simmerath und CDU-Vertreter im Planungsausschuss, gestand: „Als Vereinsmensch tut es mir persönlich in der Seele weh, dass der alte Saal verschwindet. Aber es ist auch gut, dass hier etwas Neues entsteht“, meinte Haas und führte weiter aus: „Ob der Großbau ins Bild passt, sei dahingestellt. Aber Simmerath will städtisch werden und von daher passt es.“ Positiv bewertete Stefan Haas, dass im neuen Wohnkomplex Bruchstraße 4 auch Wohnungen in einer Größe ab 35 Quadratmeter geplant seien. Dies bediene sicherlich die Nachfrage, sei doch in vielen ähnlichen Objekten die kleinste Wohnung 80 oder 90 Quadratmeter groß und somit meist keine Option für Singles.

Einstimmig wurde die Verwaltung mit der Aufstellung des Bebauungsplans beauftragt.


Zehn neue Baugrundstücke in Steckenborn



Am Ortseingang von Steckenborn – von der Kölner Landstraße kommend – können zehn neue Baugrundstücke als Abrundung der Ortslage entstehen. Das Bauland schließt sich an den benachbarten landwirtschaftlichen Betrieb an. Foto: Heiner Schepp 

Neues Bauland in Steckenborn: Maximal zehn neue Baugrundstücke können an der Straße „In Steckenborn“, am Ortseingang aus Richtung Strauch entstehen. Der Simmerather Planungsausschuss hat jetzt die Offenlage des entsprechenden Bebauungsplans beschlossen.

„Mit der Aufstellung des Bebauungsplans soll die vorhandene Ortslage abgerundet werden. In der Gemeinde Simmerath besteht auch in den kleineren Ortsteilen Bedarf an Baugrundstücken. Demnach ist die Gemeinde gehalten, für die Weiterentwicklung auch dieser Ortsteile zu sorgen“, heißt es dazu in der Begründung des Bebauungsplans durch das Planungsbüro Becker aus Kall. Im Vergleich zu anderen Standorten bestehe für das Plangebiet aufgrund der vorhandenen Bebauung auf der gegenüberliegenden Straßenseite und dem Vorteil der damit verbundenen günstigen Anbindungsmöglichkeit eine Vorprägung, heißt es darin weiter.

Durch die Aufstellung des Bebauungsplans soll eine aufgelockerte Bebauung mit Einzel- oder Doppelhäusern ermöglicht werden, erläuterte Diplom-Geographin Jennifer Conzen vom Büro Becker im Planungsausschuss. Dabei sollen maximal zehn neue Baugrundstücke mit einer Grundstückstiefe von etwa 40 Metern entstehen. „Die tatsächliche spätere Neuparzellierung bleibt der Nachfrage vorbehalten“, so die Stadtplanerin. Entsprechend der Art und dem Maß der baulichen Nutzung in direkter Nachbarschaft zum knapp 8500 Quadratmeter großen Plangebiet ist für den Bereich eine Festsetzung als Dorfgebiet mit einer eingeschossigen Bebauung beabsichtigt. Dies beziehen die Planer in erster Linie auf den landwirtschaftlichen Betrieb, der bislang die letzte Bebauung auf dieser Straßenseite darstellt. Mit Rücksicht auf den Bio-Bauernhof habe er auch lange gegen diese Planung argumentiert, sagte Klaus Stockschlaeder (Grüne) im Planungsausschuss. „Ich halte die Bebauung an dieser Stelle nach wie vor nicht für glücklich“, so Stockschlaeder. Da jedoch der Landwirt selbst mittlerweile seinen Widerstand aufgegeben habe, werde er sich seiner Stimme enthalten, kündigte der Grünen-Vertreter an.

Es habe „eine Weile gedauert, die sehr vielen offenen Fragen um diesen Bebauungsplan zu klären“, sagte Jennifer Conzen rückblickend. Unter anderem sei es dabei um die Kostenbeteiligung der Grundstückseigentümer, um Emissionen des Bauernhofes und um Erbschaftsangelegenheiten gegangen, so die Planerin. Zur Wahrung des Gebietscharakters werden einige allgemein zulässige Nutzungsarten hier nicht zugelassen, unter anderem Betriebe zur Be- und Verarbeitung und Sammlung land- und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse, Einzelhandelsbetriebe, Anlagen für örtliche Verwaltungen sowie für kirchliche, kulturelle, soziale, gesundheitliche und sportliche Zwecke, Gartenbaubetriebe, Tankstellen sowie Tiefbauunternehmen, Bauhöfe und Speditionsbetriebe.

Gemäß Abstimmung mit dem Landesbetrieb Straßen NRW wird das Plangebiet mit einem 1,50 Meter breiten Gehweg sowie einer Querungshilfe im Bereich Langgasse ausgestattet.

Nach Abschluss der einmonatigen Offenlage, in deren Rahmen Bürger und Behörden Bedenken und Anregungen vorbringen können, wird der Planungsausschuss die Pläne erneut thematisieren.
(hes)


Quelle: Eifeler Zeitung